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Lesetipps August 2010

Monatlich erhältst du von uns diverse Lesetipps - darin enthalten sind (ältere) bekannte, aber auch unbekannte, evtl. neue Bücher. Es sollte für jeden etwas dabei sein. Und wenn du dich aufgrund einer Empfehlung für ein Buch entschieden hast, würden wir uns natürlich über deine Meinung dazu freuen!

Diesen Monat informieren wir dich über diese Bücher: Alles Glück kommt nie und Des Todes dunkler Bruder

Viel Spaß damit!

(ältere Lesetipps)

Alles Glück kommt nie

von Anna Gavalda

Ein Buch über einen Mann, der das Glück verloren hat, aber wiederfindet!

Charles Balanda hätte eigentlich allen Grund dazu, glücklich zu sein: Er ist beruflich erfolgreich und kann privat eine Frau und ein Kind vorweisen. Wäre da nicht die Tatsache, dass seine Lebensgefährtin und er sich schon lange auseinander gelebt haben und die "Idylle" auch noch durch einen Brief eines alten Freundes leichte Risse bekommt. In dem Brief stehen nur drei bedeutungsvolle Worte, die sein Leben jedoch komplett auf den Kopf stellen: Anouk ist tot.

Wer Anna Gavaldas vorherige Bücher kennt, weiß um ihren grandiosen Schreibstil Bescheid. Und auch hier stellt sie mal wieder unter Beweis, wie eindrucksvoll und beinahe kindlich sie ins Detail gehen kann. Dennoch lässt sich das Buch nicht so leicht lesen wie ihre Vorgänger. Besonders der ständige Wechsel zwischen Ich- und Er-Erzähler verwirrt - besonders am Anfang - und durch die Rückblenden, Gedanken und Träume kommt man nicht so schnell in das Buch hinein, wie man möchte.

Wer es jedoch schafft, bis zum Ende durchzuhalten, wird belohnt. Denn in diesem Buch geht es nicht nur um Glück, es geht auch um Träume, Hoffnung, Trauer - kurzum: Um das Leben mit seinen Höhen und Tiefen. Denn Glück allein ist ja "eher peinlich" und "langweilt den Leser".

Dennoch: Ein sehr schönes, tiefgehendes Buch, das bewegt. ... oder wie Frau Gavalda es so treffend in ihrem Buch bezeichnet: Einfach "sparky"!

Ein Highlight übrigens für alle "Zusammen ist man weniger allein"-Fans: Es gibt ein kleines Zusammentreffen mit den Protagonisten aus dem Vorgängerbuch!

von Krone

Des Todes dunkler Bruder

von Jeff Lindsay

Dexter Morgan führt nach aussen hin ein perfektes Leben, versucht normal und liebenswert zu erscheinen und ja keine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Doch er trägt ein Geheimnis in sich, welches nur sein Adoptivvater Harry wusste: Seine innere Stimme, er nennt ihn den Dunklen Passagier, fordert ihn alle paar Wochen dazu auf, jemanden zu ermorden.
Harry hatte diesen dranhaften Trieb zu töten früh erkannt und ihn lehrte Dexter die "richtigen" Menschen ermorden: Mörder, Vergewaltiger oder sonstige Menschen die der Polizei entwischt sind und es verdient haben.
Natürlich kann Dexter seinen Lebensunterhalt nicht als Serienkiller bestreiten und hat in seinem unauffälligen Leben, den perfekten Beruf gefunden: er arbeitet als Blutzspritzerexperte bei der Polizei. Er wird immer dann zur Hilfe gerufen, wenn der Tatort mit irgendwelchen Blutresten besudelt ist.
Ausgerechnet beim neusten Fall wird Dexter nicht gebraucht: ein neuer Mörder treibt in Miami sein schreckliches Unwesen und zerlegt Prostituierte in fein säuberlich verpackte Einzelteile. Die, zum Missgunst von Dexter, blutleer sind.
Fieberhaft sucht er, zusammen mit seiner Adoptivschwester nach diesem brutalen Täter, der ihn fasziniert und irgendwie beschleicht Dexter auch das Gefühl, einen Spielgefährten gefunden zu haben. Den ein solch spezielles Subjekt fehlt in seiner ganz persönlichen Mordsammlung noch.
Doch scheinbar hat der Täter aber das Gleiche im Sinn und so beginnt ein blutig, düsteres Katz- und- Maus Spiel, was schliesslich in einen fulminanten, aber auch überraschenden, Schluss gipfelt.


Kritik:

Ist es moralisch verwerflich einen Serienkiller zu mögen und dabei seine Taten auch noch gutheissen zu können? Ist es überhaupt erlaubt, eine solche Figur sympatisch zu finden und darauf zu hoffen, dass diese Persönlichkeit nicht verhaftet wird?
Diese zwei Fragen kann ich persönlich mit ja beantworten. Auch wenn es sehr ungewöhnlich ist, Dexter Morgan, der Hauptprotoganist im Buch, ist interessanterweise schon ein Typ, den man ins Herz schliessen kann.
Hat dieser Dexter den keine Gefühle, kein Gewissen oder Empfinden? Verspürt er überhaupt so etwas wie Reue?
Nein, Dexter fühlt nichts, er kann nicht lieben und findet sogar Sex entwürdigend und unnatürlich.
Doch die Frage warum Dexter überhaupt so geworden ist, ist eine sehr wichtige und zentrale der ganzen Geschichte und führt, wie eine rote Blutspur, durch den ganzen Roman hindurch.


Schreibstil:

Kann man irgendwie nicht vergleichen mit anderen Büchern oder Autoren. Ich muss zwar zugeben, dass ich die Original-Fassung nicht kenne, doch die deutsche Übersetzung ist, nach meinem Empfinden, sehr gut umgesetzt.
Ein Beispiel, welches die Genialität unterstreicht:

Mond, herrlicher Mond. Voller, feister, rotglühender Mond, die Nacht taghell, Mondschein strömt über die Landschaft und birgt Entzücken, Entzücken, Entzücken. Mit sich bringt er den volltönenden Klang der tropischen Nacht, die sanfte, wilde Stimme des Windes, der über die Härchen an deinem Arm streicht, das hohle Klagen des Sternenlichts, das zähneknirschende Bellen des Mondlichts jenseits des Wassers.
Alles weckt das Verlangen. Oh, das symphonische Kreischen von tausend verborgenen Stimmen, der uf des Verlangens im Inneren, das Wesen, der stille Beobachter, das kalte ruhige Ding, der, der lacht, der Mondtänzer. Das Ich, das Nicht-Ich war, das Ding, das spottete und lachte und seinen Hunger herausschrie. Sein VERLANGEN. Und das VERLANGEN war jetzt sehr stark, argwöhnisch, kalt, schlängelnd, ungeheurlich, knistern, überwältigend und auf dem Sprung, sehr stark, sehr gewillt ? und doch wartete es und lauerte, und es hiess mich warten und lauern.


Fazit:

Eines der besten Bücher, das ich in letzter Zeit gelesen habe. Wer Sinn für schwarzen Humor hat, wird den Roman lesenswert finden.
Jeff Lindsay bringt den Leser nah an das kranke Mordgeschehen und Langweile kommt nicht auf.
Seit 2006 wird die Serie durch Showtime verfilmt und läuft, wegen des brisanten und nicht ganz alltäglichen Inhaltes, meist spät am Abend. Die 1.Staffel hält sich sehr genau an das Buch und nur kleine Details werden geändert. Michael C. Hall spielt Dexter und seine Original Englische Stimme ist faszinierend und passt perfekt dazu.

von Jazzch